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Liebe

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Bedingungslose Liebe

Kurzgeschichte
Geschrieben von U.J.Tibor

Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit.


In einer kalten, winterlichen Woche im Jahr 2007 erwartete mich nicht nur ein 5-tägiger Grundkurs in Zen-Meditation in der aufregenden Stadt Berlin, sondern auch eine unangenehme Lebensprüfung. Denn wie es aussah, spielte ich den Spiegel für eine Freundin von mir, namens Tonia und deren Vater. Was ein Spiegel ist? Ganz einfach: Ein Spiegel ist eine Person, die Eigenschaften an sich hat, die sein Gegenüber nicht besitzt und anhand des Spiegels erkennen soll. Meistens reagieren die Betroffenen zunächst mit Hass, Ärger, Neid und Lästerei, bis sie dann doch irgendwann erkennen, dass nicht die Person – die sich als Spiegel zur Verfügung gestellt hat – das Problem ist, sondern dass sie selbst diejenigen sind, die eine bestimmte Schwäche an sich erkennen sollen oder eine Lektion des Lebens zu lernen haben. Nun ja, bereits vor der Tür atmete ich schon einmal tief durch und begab mich dann in die Höhle des Löwen. Ich wusste, es würde unangenehm und anstrengend werden, da ich von einer dritten Person bereits mehrere Lästereien von Seiten der beiden berichtet bekam. Mir wurden unbegründet Vorwürfe gemacht für Dinge, die ich nie tat. Schade dass sie nicht den Mut aufgebracht hatten und mit mir direkt darüber sprachen. Aber so läuft es eben meistens ab, und da ich mir ja schon bewusst darüber war, dass ich ein Spiegel für sie war, ließ ich es eben über mich ergehen.

Ich erwartete eine energetische Schlacht vom Feinsten, denn die beiden wussten noch nicht einmal, dass ich überhaupt am Kurs teilnehmen würde. Ich öffnete also die Tür zu einem kleinen Flur, der auf einem großen, gemütlichen Meditationsraum führte. Ich trat vorsichtig ein. Zwei meiner Freunde waren bereits da und unterhielten sich gerade mit Tonia und ihrem Vater, während ich auf sie zuging, mit einem fröhlichen Hallo in die Runde grüßte und sodann Winterjacke, Handschuhe und Co. ablegte. Sofort brach das Gespräch zwischen den vieren ab und alle Blicke richteten sich auf mich. Ärger und Groll schossen mir entgegen und lähmten mich regelrecht. Ganz langsam zog ich die Handschuhe aus; ich zog sie wieder an; ich zog sie nochmals aus und legte sie weg; nahm sie wieder und steckte sie in meine Tasche. Ich war sichtlich verwirrt und kämpfte mit mir, um nicht das Handtuch zu schmeißen und sofort auf dem Absatz kehrtzumachen. Dann folgte die liebenswürdige Begrüßung des Vaters, die noch mal eine riesige Welle an Neid in meine Aura schlug: „Ach, Norman!? Du hier? Aha!“ Tonia warf unvermittelt ein: „Naja, Papa, das siehst du doch!“ Meine Antwort dazu gestaltete ich etwas locker: „Ja, klar, warum nicht? Hatte mich spontan angemeldet.“ Was natürlich überhaupt nicht stimmte.

Angemeldet war ich schon drei Monate vor Seminarbeginn, doch ich hielt es für besser, dies nicht zu erwähnen. „Die beiden könnten sich dann noch mehr vor den Kopf gestoßen fühlen“, dachte ich im Stillen. Nach diesen qualvollen, ersten fünf Minuten entschied ich mich aber schließlich, da zu bleiben und setzte mich zu meinen Freunden, die schon wieder in ein tief gehendes Gespräch mit Tonia und ihren Vater verwickelt wurden. Ab und zu warfen sie mir einen aufmunternden Blick zu, als wollten sie sagen: „Norman, mach Dir mal keine Gedanken.“ Doch die machte ich mir natürlich. All die Energien, die nun meine Aura belasteten, brachten mich dazu, die Energie der Trauer zu benutzen, um meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, denn eigentlich war ich dafür gar nicht bereit. Außerdem hatte ich gerade in den letzten Wochen einiges erlebt: Ein Freund meiner Familie war gestorben und meine Gedanken daran hatte ich bis dahin noch nicht geordnet. Nun auch noch mit derartigen Energiewesen aus der Astralebene bombardiert zu werden, war fast schon zuviel. Es waren noch gute 10 Minuten, bis das Seminar beginnen sollte, und ich nutzte diese um mich zu sammeln und zu zentrieren. Es dauerte nicht lange und ich war wieder in meiner Mitte. Die Aura um mich herum - wie eine große Blase aus Panzerglas - fühlte sich wieder gut an. Ich fühlte mich sehr abgeschottet und geschützt, nahm aber alles sehr intensiv wahr. Das Seminar begann nun und wir wurden gebeten unsere Plätze einzunehmen. Wie es das Schicksal so wollte, saß Tonia natürlich direkt neben mir. Doch dies hatte ich schon erwartet und ich war nicht besonders überrascht. In meiner gläsernen Schutzhülle sitzend, ignorierte ich beide erst einmal und konzentrierte mich komplett auf den Vortrag des Seminarleiters und darauf, in meiner eigenen Mitte zu bleiben. Natürlich konnte ich meine Wahrnehmung – die unglaublich geschärft war - nicht abschalten und das wollte ich auch gar nicht, denn auf irgendeine seltsame Art bemerkte ich Veränderungen. Neugierde kam mir entgegen wie eine warme Welle aus Luft. Tonia schien daran interessiert zu sein, warum ich sie keines Blickes würdigte. Sie konnte ja nicht wissen, dass ich sie und alles was sie tat, sehen und wahrnehmen konnte ohne sie direkt mit meinen menschlichen Augen zu betrachten. Es war so, als ob ich von der Decke des Raumes aus alles beobachten könnte. Doch wenn ich wollte – und ich wollte auch – konnte ich wieder von der Decke herunterschweben und meinen Platz neben ihr einnehmen. Das war wirklich abgefahren – aber äußerst hilfreich. Ich blieb in meiner Mitte und reagierte nicht auf ihre Neugierde. Das hatte den Vorteil, dass ich kein Resonanzkörper für ihre Emotionen und negativen Gedankensformen mehr war. So schnell wie sie mir nämlich diese entgegen warf wie springende, giftige Spinnen, so schnell prallten sie an meiner Hülle ab und schossen zurück zum Absender.

Plötzlich spürte ich etwas, was ich zwar in der Vergangenheit schon oft im Ansatz erlebt hatte, aber nicht in dieser Intensität. Als der Seminarleiter mir seine Arbeitsblätter gab, um diese an Tonia weiterzureichen, nahm ich aus heiterem Himmel Gefühle wahr, die ich nur als absolute Zufriedenheit beschreiben kann. Zufriedenheit mit mir selbst. Ich liebte mich selbst so wie ich bin. Als mir das klar wurde, verstand ich auf einmal, dass ich auch alle anderen Menschen lieben konnte. Ich musste keine Bedingungen stellen, weil sie alle so sind wie ich und ich so bin wie sie. Tonia nahm die Arbeitsblätter aus meiner Hand und ich vergab ihr unvermittelt – ohne darüber nachzudenken – alles was sie mir bisher angetan hatte. Das ging von ganz allein. Ich empfand nur noch Respekt und Liebe für sie. Jeden Muskel und jede Faser, die erforderlich waren, damit sie ihre Hand bewegen konnte, um die Blätter entgegenzunehmen, liebte ich. Jeden Atemzug, den sie tat, achtete und liebte ich, und ich schwöre, ich konnte ihn sogar mit meinem Herzen fühlen.

Jede noch so winzige Bewegung und jeden kleinsten Gedanken von ihr nahm ich so intensiv wahr, dass ich dies nur mit Respekt und Liebe beschreiben kann. Diese Spielchen, auf jemanden neidisch zu sein, ihn zu verletzen und so weiter … waren nur deshalb notwendig, um zu lernen - das wurde mir nun noch klarer als je zuvor. Ich konnte plötzlich den Vorhang zur Seite schieben und sah Tonia so, wie sie wirklich ist. Sie ist eine Seele der göttlichen Schöpfung. Sie ist genau wie ich, ihr Vater, alle Seminarteilnehmer und alle Seelen, die es gibt; nämlich ein helles Licht. Ein Licht, das in ihrer Reinheit und Vollkommenheit nichts anderes ist als Liebe. Sofort hörte ich auf, Tonia und ihren Vater zu ignorieren und entschied mich dazu, mich jetzt nicht nur vor ihren Energien zu schützen, sondern ihnen etwas entgegen zu bringen. Ich blickte vorsichtig zu Tonia hinüber und lächelte. Plötzlich erschien eine wunderschöne, riesige Wolke aus heller, Magenta farbener Energie und ging von mir auf Tonia über und ich wusste, dass es so richtig war. Ich wusste außerdem, dass spätestens in der Seminarpause ein Gespräch stattfinden würde, das ich gar nicht beginnen müsste, weil es von ihr ausgehen würde. Und so war es dann auch. Wir gingen nach draußen und redeten. Bisher unausgesprochene Dinge, die zur Aufklärung ihrer negativen Gedanken mir gegenüber wichtig waren, kamen zur Sprache und als ich anfing zu erklären, dass dies hier nur ein Spielchen war, welches uns dazu bringen sollte, voneinander zu lernen, schien es mir so, als hätte sie verstanden, dass ich ihr Spiegel war. Am nächsten Tag arbeiteten und lernten wir in unserem Seminar angenehm zusammen, als hätte es nie Neid und Hass zwischen uns gegeben.
Die Augen zu öffnen, um die Wahrheit zu erkennen, ist eine der wichtigsten und schwierigsten Eigenschaften, die wir zu lernen haben. Wir haben oft Angst und Trotz in uns, weil wir glauben, die Anstrengungen, die mit der Wahrheit verbunden sind, nicht bewältigen zu können und weil wir befürchten, dass die Auswirkungen negativ sind. Doch letztendlich sind sie immer positiv für unsere Entwicklung und für den Zustand unserer Seele. Außerdem lernen wir niemals allein. Wir sind alle Eins und niemals getrennt.



- Ende -



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